Autoverkauf in den USA

Da sich unsere Zeit hier nun endgültig dem Ende neigt, war es an der Zeit unser Auto zu verkaufen. Die Vorbedingungen waren vielleicht nicht so ganz ideal, denn wir wollten eigentlich das Auto so lange wie möglich behalten, aber am Ende auf jeden Fall verkauft haben. Zu unserem zeitlichen Problem gesellten sich noch ein paar Weitere. Das Auto ist ein alter Ford Explorer (Jahrgang 2001 – also schon 13 Jahr alt) und hat schon ein paar Macken. Vor allem aber müssen in den nächsten Monaten ein paar vielleicht nie so ganz billige Reparaturen gemacht werden. Auch ist es das erste Mal in unserem Leben, das wir ein Auto verkaufen und die großen Autokenner sind wir nun auch nicht grade. Das was ich von Autos weiß, beschränkt sich so ziemlich auf die Dinge die bei dem Auto meiner Eltern schon mal kaputt waren.

auto
Aber was soll‘s, wir haben uns der Herausforderung gestellt und ich finde auch ganz gut gemeistert. Ich werde hier mal so ein bisschen unsere Herangehensweise und auch Geschichten beschreiben, welche wir bei der ganzen Sache erlebt haben. Vielleicht findet es der ein oder andere ja interessant oder kann von unseren Erfahrungen profitieren.

Wir haben unser Auto vor ungefähr 4 Wochen auf die Webseite craigslist.org gestellt. Das ist die Seite in den USA über die man alles verkaufen kann (oder auch allgemeiner gesagt, suchen und finden, denn es gibt auch die Singlebörsen-Rubrik). Nach unserer Beobachtung kommen da täglich mehrere Hundert Autos neu rein, was das Auffallen nicht so ganz einfach macht. Eine Anzeige kann man alle 2 Tage wieder nach oben setzten, aber das ist natürlich irgendwie bei der Anzahl nur bedingt hilfreich. Also haben wir einfach zwei identische Anzeigen geschaltet und diese um einen Tag versetzt immer wieder „erneuert“. So viel zum Thema immer oben in der Liste bleiben. So wirkliche alternative Seiten hatten wir nicht gefunden, wenn man nicht schon einige Dollar zahlen will, um überhaupt eine Anzeige zu schalten.

Der nächste Punkt war der Preis. Wir hatten uns im Vorbild auf diversen Seiten im Internet informiert, was so ein Preis für unser Auto sein könnte. Das ist natürlich immer etwas schwierig, weil man den Zustand seines Autos mit „fair“, „clean“ oder „rough“ beschreiben muss. Da man ja aber nie genau in ein Muster passt, ist das mehr so ein bisschen grobes Schätzen. So hatten wir aber wenigstens eine ganz grobe Schätzung was man vielleicht verlangen kann.

Auch waren wir uns nicht so ganz sicher inwiefern unsere Reparaturen eine Rolle spielen. Schreibt man sowas in eine Anzeige rein, in der Hoffnung, dass die Leute denken: „Es ist genau das zumachen, und es gibt keine faulen Eier“? Oder denkt man dann eher: „so ein Mistauto, das ist ja halb kaputt“? Wir haben uns für die eher ehrliche Variante entschieden und reingeschrieben, dass wir eine Liste mit kleineren Reparaturen haben. Keine Ahnung inwiefern das einen Einfluss auf den Verkauf nun hatte. Natürlich geht man ja mit dem Preis, wenn es länger drinnen steht etwas runter und passt sich an.

Man bekommt auch einige Angebote, wobei sich unglaublich viele Betrüger bzw. Leute, die den Preis verdammt weit drücken wollen, melden. Hier mal ein paar Episoden.

Man bekommt regelmäßig Angebote mit für $1000 Cash sofort egal in welchem Zustand sich das Auto befindet. Da weiß man gleich, das ist nur der aller aller letzte Ausweg, sonst ist da mehr drinnen.

Auch hatten wir eine Anfrage, welche sinngemäß lautete: „Ich möchte diese Sache für meinen Sohn kaufen. Bitte schicken Sie mir ihre PayPal-ID und nennen Sie mir Ihren absolut niedrigsten Preis. Meine Agentur wird sich dann um das verschicken (hieß shipping) kümmern. Ich kann auf Grund meines Berufes leider keine Besichtigung wahrnehmen“ – Dieser Text passt einfach auf alles. Nach ein bisschen googlen kommt man auch drauf, dass der gleiche Text auch schon bei Bootsverkäufen verwendet wurde. Also lieber die Finger von lassen. Spätestens bei solchen Sachen, merkt man dann, dass beim Autoverkauf der volle Verstand verlangt wird und sein Bauchgefühl einem durchaus hilft.

Neben solchen Betrügerangeboten, bekamen wir auch eine Anfrage die hieß: „Ich zahle halb Bar und den Rest mit einem Billard-Tisch“. Was bitte will ich mit einem Billardtisch? Ich verkaufe etwas und bin nicht auf einem Basar auf dem Ware gegen Ware getauscht wird. Aber über sowas kann man irgendwie nur schmunzeln. Auf was für Ideen die Leute so kommen.
Diese Woche hatten wir dann noch jemanden, der einen am Telefon einfach tot gequatscht hat. Er wollte uns glaubhaft machen, dass das Auto bei den Sachen nicht mehr als $1500 Wert sei und wir es auf keinen Fall so verkauft bekommen würden. Er wäre allerdings dran interessiert es zu kaufen und damit macht er uns nur einen gefallen. Ich hatte bei ihm schon mehrfach abgelehnt und gesagt, dass wir dafür nicht verkaufen. Auch einfach auflegen hat ihn nicht davon abgehalten noch drei weitere Male anzurufen. Nachdem ich meinte, wenn er bereit ist es für $2000 zu kaufen, könne er vorbei kommen und es sich anschauen. Das wollte er dann auch tun. Kurz vorher rief er aber dann wieder an, mit der Aussage her hätte jetzt 1500 und komme gleich vorbei. Da musste ich ihm leider sagen, dass er mit nur 1500 in der Tasche gar nicht vorbei kommen braucht. Irgendwie braucht man ganz schön Selbstvertrauen und Härte, wenn solche Leute auf einen einreden, denn so uncharismatisch sind die dann auch nicht. Die Wissen schon was sie tun. Wir drei hatten aber wieder ein so dummes Gefühl dabei, so dass wir einfach nur immer wieder ablehnen konnten.

Nach diesem Erlebnis sind wir dann übrigens mal zu einem Autohändler gefahren und haben uns ein Angebot machen lassen. Da das Höher war als die angebotenen $1500 war, haben wir uns immerhin schon mal wieder bestätigt gefühlt. Am Ende haben wir es dann doch noch privat für einen Preis zwischen dem Autohändler und unserem Anzeigeangebot verkauft.

Ach für alle die ein paar technische Details wissen wollen: Um ein Auto zu verkaufen (bzw. umzumelden), muss man einen Smogtest machen. Das ist in den USA quasi der TÜV, indem geprüft wird ob nicht die Check-Engine Lampe leuchtet und dass es nicht allzu umweltverschmutzend ist (die Grenzen sind aber super moderat und da muss schon was kaputt sein, wenn man den nicht besteht). Der Test ist übrigens 3 Monate gültig und kostet so um die $50. Man kann diesen Test bei Werkstätten, Smogtest-Stellen und teilweise sogar an Tankstellen machen. Das Ganze dauert auch nur 20 Minuten.

Neben dem Smogtest muss man dann noch ein paar Papiere vom DMV (Department of Motor Vehicles) ausfüllen und online bekannt geben, dass man das Auto jetzt verkauft hat und demnächst eine Ummeldung stattfinden wird. Steuern zahlt der Käufer übrigens dann beim Anmelden beim DMV, je nachdem wie viel in dem Kaufvertrag dann eben steht.

So viel zum Thema Autoverkauf. Ich habe keine Ahnung, was da von typisch amerikanisch ist und was bei Autoverkäufen einfach immer so ist, aber es war definitiv anstrengend und Persönlichkeitsbildend.

Mein Fahrrad konnte übrigens ich im Laden einfach wieder zurück geben (Performance Bike ist echt Spitze), so dass ich die letzte Woche jetzt mit öffentlichen Verkehrsmittel durch die Gegend fahren werde – yeah endlich habe ich wieder Zeit mein Buch zu lesen ;).

 

Advertisements

Ein Gedanke zu „Autoverkauf in den USA

  1. Mein Bauchgefühl sagt, dass in diesem Land zu große Ehrlichkeit beim Autoverkauf (=Pferdehandel) die Leute doch mehr verwirrt.

    Diese Nepper und Bauernfänger gibt es übrigends auch in Deutschland, nur dass man sie derzeit noch gut an ihrem Akzent erkennt (ohne jetzt politisch inkorrekt werden zu wollen, irgendwie ist das aber wirklich so).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s